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Psychiatrie in der DDR (mißbraucht ?)
 
in memoriam:   für Sigrid
 
Wurden die DDR-Nervenkliniken von der Staatspartei SED und dem MfS/MdI benutzt ?
 
Meine Frau Sigrid bekam nach einem Nervenzusammenbruch wegen ständiger Schikanen, Repressionen und mehrfach mündlich erteilter Ablehnungen des "Ersuchens auf ständige Ausreise nach Deutschland" starke Depressionen, die Weihnachten 1988 und Anfang Januar 1989 zu Suizidversuchen führten.
Sie meinte: "Es wäre alles umsonst gewesen, DIE WERDEN NIE BESTRAFT..." Vorahnungen ? 
Wie recht sie hatte !
 
Es wurden unter anderem immer wieder "Erhebungen" angestellt, wie die berüchtigte Aktion "Störenfried" des MfS, in meiner Stasi-Akte gefunden (siehe Unterseite Dokumente).
 
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Lesen Sie meinen Bericht über die Einweisung in das Kreiskrankenhaus Arnsdorf (bei Dresden) 
am 11. Januar 1989
Station B4/1 (geschlossene Station Psychiatrie-Frauen)
Oberarzt Dr. Sch. / Stationsärztin Frau Rau.
Leiter dieser Station damals 1988/89 :  Prof. Dr. H.
 
nebenstehend die verschriebene Medizin auf Original-Dokumenten aus Arnsdorf (Frenolon / Chlorprothixen / Amitriptylin)
stationärer Aufenthalt: 11.01.1989 bis 28.02.1989
ambulante Behandlung: 01.03.1989 bis 08.03.1989
 
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Nach der  erfolgten unumgänglichen Zwangseinweisung durch die behandelnde Ärztin aus Dresden-Strehlen (Frau Dr.Quasdorf) fuhr ich meine Gattin Sigrid sofort mit meinem Pkw nach Arnsdorf, eine der größten "Nervenheilanstalten" im damaligen Bezirk Dresden (Sachsen).
Ein Krankenwagen stand nicht zur Verfügung...
In der Patienten-Aufnahme wollte ich wissen, auf welche Station meine Frau eingewiesen wird. 
Man "löcherte" mich, was denn passiert sei: "Haben Sie Dummheiten gemacht ?"
Nein, widersprach ich: "Es hängt mit unserem Antrag auf Ausreise zusammen" .
Ach so, sprach das wissende Personal.
"Diese Leute kommen auf B4, Ihre Frau auf Frauenstation B4/1!" Alles klar ?
Nun war mir alles klar...
 
Bei meinen regelmäßigen Besuchen in dieser Station berichtete mir meine Frau, es würden u.a. Lichttherapien durchgeführt, regelmäßig mußte sie Medikamente einnehmen und bekam auch Spritzen (welche? unbekannt). Sie berichtete pflichtgemäß von "guter Behandlung und gutem Essen". Durfte nach einigen Tagen in meiner Begleitung ins Freie, konnte durch eine seltsame Lähmung der Finger und Kniegelenke ihre Schuhe nicht mehr zuschnüren und sich kaum bücken. Dosierung?
Ich selbst sah einige Frauen bei meinen Besuchen ans Bett gefesselt.
Oberarzt Dr. S. erwähnte mir gegenüber beim vertraulichen Arztgespräch: "dass noch andere Frauen aus vermutlich gleicher seelischer Verzweiflung hier seien !"
 
Meine Frau gab mir unter großen Gewissensqualen preis, dass sie den Eindruck habe, einige Ärzte und Schwestern seien ihrer Meinung nach einem "Staatsorgan" verpflichtet, denn in Gesprächen wurde sie immer wieder mit Tatsachen und speziellen Einzelheiten konfrontiert, die vertraulich waren und nur aus der "Ausreise-Akte" stammen konnten !
Sie flehte mich bei Besuchen ständig an: "Fritz, wir müssen die Ausreiseanträge zurücknehmen. Wir haben die DDR verraten".
"Auch die neuen Antragsformulare kann ich nicht unterschreiben..." (Ab Januar 1989 erhielten wir mit ausführlichen persönlichen "Anweisungen zur Ausfüllung" neue Formulare zwecks ständiger Ausreise aus der DDR, überreicht bei einem Termin in der "Abteilung für Inneres" des MdI.
Da begriff ich, welche Therapien, welche Gehirnwäsche vermutlich stattgefunden haben mußte, um eine Richtungsänderung bei diesen erkrankten Menschen zu bewirken...
 
Dies alles habe ich sofort nach dem "Beitritt der DDR" einem unabhängigen Untersuchungsausschuß in Dresden berichtet. Keine Reaktion.
Sicher hat man es auch hier "zufällig versäumt", den Tatsachen auf den Grund zu gehen und das Personal eingehend zu überprüfen...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ergänzung und Nachtrag:  Mißbrauch der Psychiatrie und Psychologie  in der DDR
 
Moderne Diktaturen, wie etwa die Sowjetunion (aber auch die DDR), setzten die Mittel der Psychiatrie (Seelenheilkunde) systematisch ein, um auch mit ihnen die Maßstäbe von politisch "richtigem" Denken durchzusetzen.
Waren der Fachärzteschaft wohl die Mißbräuche der Psychiatrie in der ehemaligen Sowjetunion bekannt und wurden diese publiziert und geächtet, erfuhren die Seelen-Spezialisten in der Bundesrepublik Deutschland erst nach dem "Beitritt der DDR" vom wahren Ausmaß des Mißbrauchs der Psychiatrie in der DDR.
Die Abgeordneten der ersten und letzten demokratisch gewählten Volkskammer der DDR hatten den besten Überblick über die Machenschaften von SED und dem "Schild und Schwert" der Partei, Ministerium für Staatssicherheit (MfS, genannt Stasi).
Diesen Abgeordneten war es geläufig, dass zu den politisch verfolgten Menschen in der DDR auch solche gehörten, die "in psychiatrische Behandlung genommen worden waren".
Es war ein Herzensanliegen dieser im März 1990 frei und demokratisch gewählten Abgeordneten, über ein Gesetz zu beraten, dass die unbedingte Aufarbeitung der Verbrechen der DDR-Eliten am Volk, die Bestrafung der Täter, die Würdigung und Entschädigung aller Opfer und damit auch die Rehabilitierung jener "politisch psychiatrischen Patienten" festlegt.
So schildert es auch der bekannte Wissenschaftler und Autor Hubertus Knabe in seinem neuestem Buch: "Die Täter sind unter uns" (Ausgabe 2007, Seite 209).
Wie manch gute Ansätze wurde auch dieser Willen der Volkskammer offensichtlich vom Westen aus wirksam ausgebremst, im zusammengeschusterten Einigungsvertrag sind enorme Fehler zum Schaden des Volkes geschehen und werden bis heute weder offengelegt noch bereinigt.
Von den offiziellen, jetzt gesamtdeutschen Stellen, Ämtern und Behörden wird die erkannte psychiatrische Form der Verfolgung andersdenkender Bürger in der DDR auffällig heruntergespielt.
Eine weltweit bekannte deutsche Vereinigung gegen den politischen Mißbrauch der Psychiatrie (GEP), die sich seit 30 Jahren intensiv und korrekt mittels hervorragender Persönlichkeiten der Ärzteschaft der Opfer des Psychiatrie-Mißbrauchs annimmt, wurde in den neuen Bundesländern von Untersuchungen diesbezüglicher "Fälle" ausgegrenzt. Wieso und warum?
Was die Wissenschaftler heute wissen, wer ein Mißbrauch der Psychologie in der DDR weiter verbreitet, gelehrt und angewandt, als der Psychiatrienmißbrauch.
Dazu gehörten Richtlinien und Anweisungen aus den Handbüchern des MfS (u.a. Richtlinie 1/76), wie eine "Zersetzung" der negativ-feindlichen Elemente zu erfolgen hat.
Dies wurde auch dokumentiert in den Büchern von Klaus Behnke und Jürgen Fuchs "Zersetzung der Seele" (1995, Rotbuch-Verlag) und von Sandra Pingel-Schliemann "ZERSETZEN - Strategie einer Diktatur", erschienen 2003.
Eine überarbeitete Neufassung des Buches "Zersetzung der Seele" sollte im Oktober 2007 erscheinen, bisher nicht erschienen, neuer Termin soll das Frühjahr 2008 sein.
Bisher war es nicht möglich, zu erfahren, wer das Erscheinen des Buches verhindern will und vor allem warum...
Die "Zersetzung" (der Seele) kann als Fortentwicklung, Verfeinerung des sowjetischen Psychiatriemißbrauchs verstanden werden. Dieser verfehlte bekanntlich sein Ziel, denn die Überwachung und Bestrafung abweichenden politischen Verhaltens und Denkens konnten heilkundlich so nicht begründet werden! Der Weltöffentlichkeit konnte man dies nicht als "human" verkaufen.
Jetzt aufgemerkt: der Einsatz der Psychologie erfüllte den Zweck weit besser! Für die Staatsmacht DDR erschien die "Zersetzung" mittels Psychologie leichter anzuwenden und kostengünstiger, als ein Bau neuer Haftanstalten oder "Nerven-Krankenhäusern" für die Unterbringung von DDR-Widerständlern.
So wurde die "Operative Psychologie" ein Pflichtfach  an der Stasi-Hochschule in Potsdam-Golm. Die "Zersetzung" geriet zur spezifischen Leistung jener Stasi-Seelenkundler zur Festigung der "fortgeschrittenen Diktaturen", auch der DDR.
Die Zahl der "zersetzten Menschen" in der DDR wird von Hubertur Knabe im oben erwähnten Buch auf 20.000 bis 25.000 geschätzt. Exakte Unterlagen fehlen oder wurden rechtzeitig vernichtet.
An Raffinesse wie auch an Zahl der Opfer übertrifft der politisch-systematische "Psycho-Mißbrauch" in der DDR den der Sowjetunion eher, als das er geringer gewesen wäre!
Wie oben angeführt, wollte die letzte frei gewählte DDR-Volkskammer einen "Einigungsvertrag" mit der BRD, der eine "unverzügliche Rehabilitierung der Stasi-/SED-Opfer und deren angemessene Entschädigung" zum Inhalt hatte. Wie sieht die Wirklichkeit in Deutschland aus?
Ende Januar 2007 einigten sich die Koalitionsparteien auf einer Klausurtagung in Werder/Brandenburg  (auf dem Anwesen eines ehemaligen Stasi-Obersten), auf eine Ehrenpension (Opferrente) in Höhe von 250.- EUR monatlich, sofern mindesten 6 Monate Haft zu Buche stehen und "Bedürftigkeit" (Hartz IV läßt grüßen) vorliegen.
Eine ungalublich schnelle Reaktion der deutschen Regierungen, benötigte man doch dazu nur 17 Jahre ! (bei einer Trabant-Bestellung in der DDR wartetet man je nach Ausführung nur 13 bis 15 Jahre).
Ein kleines Schrittchen der Berufspolitiker in die richtige Richtung. Von der beschlossenen Vergünstigung (Zuwendung nennt man dies heute) per Gesetz vom 13.Juni 2007  ausgeschlossen sind von vornherein alle anderen bekannten Opfergruppen der SED-Willkür, also auch viele politische Häftlinge, die oben genannte Kriterien nicht erfüllen, aber auch alle Flüchtlinge, Übersiedler (Ausreiser). Es trifft allerdings auch alle jene Opfer, denen durch die "Zersetzungen", durch Willkür und Repressionen "nur" die berufliche Ausbildung verbaut oder die über Jahre mißbräuchlich-psychiatrisch geschunden und zerstört worden sind.
Alle diese Menschen gehen leer aus; auch den in die BRD eingebürgerten Menschen der ehemaligen DDR (vor der Wende), die ihren festen Wohnsitz schon im "Westen" hatten, hat man durch eine falsch ausgelegte Formulierung im Sozialgesetzbuch (SGB VI) die etwas höhere Altersrente nach Fremdrentenrecht heimlich, ohne Aufsehen gestrichen. Ungesetzlich, denn dieser Personen waren Bundesbürger durch ein amtliches Eingliederungsverfahren. Man machte sie im Rentenrecht wieder zu "beigetretenen DDR-Bürgern".
Im gleichen Atemzug denkt man unwillkürlich an die Entscheidung im Jahr 2004 der Karlsruher Bundesverfassungs-Richter, das die beitragslosen "Zusatzversorgungen" für die treuen DDR-Eliten "zu Recht" anerkannt werden müssen! Verfassungsgemäß?
So erhalten heute hunderte ehemaliger Träger des DDR-Systems,  Mitarbeiter in Ministerien, NVA, Marine, Grenztruppen, Volks-und Kriminalpolizei, Stasi, SED-Wissenschaftler und -Chefärzte, aber auch Kombinats- und LPG-Bosse nicht nur hohe Renten vom ehemaligen "Klassenfeind", nein, sie bekamen auch noch Rentennachzahlungen in Millionenhöhe, pro Kopf durchschnittlich 10.000 EURO, in Einzelfällen über 100.000 EURO !!
Da kann sich der deutsche Normalverdiener, der deutsche Bundesbürger nur schaudernd abwenden. Hier siegt ein falsch verstandenes "Recht" über das erlittene Unrecht.
Ehrung der Opfer durch den Bundespräsidenten:
Am 14.11.2006 legte Bundespräsident Horst Köhler in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (ehemalige gefürchtete zentrale Stasi-Untersuchungshaftanstalt) einen Kranz nieder. Ein besonderes Zeichen, ein Verneigen vor den Opfern der SED-Diktatur duch das höchste Oberhaupt des Staates. Gerade in diesen Zeiten besonders beachtet, in denen die Opfer von ihren vormaligen nie bestraften Peinigern wieder geschmäht, öffentlich verhöhnt  und von den derzeitigen etablierten "demokratischen" Parteien links wie rechts aber weiter im Stich gelassen werden...
Seien wir glücklich, dass an der Spitze unseres Landes ein Präsident steht, der ein Beispiel gibt. Dass er die Opfer unrechter staatlicher Gewalt zu ehren weiß!
Denken wir immer daran: "Wir sind das Volk" - das für Freiheit und Menschenrechte einsteht und die Wahrheit verlangt.
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Kann man bei einer zusammenfassenden Bewertung aller Vorgänge nicht auch den Eindruck gewinnen, es tummelten sich auf den verschiedensten Ebenen des "demokratischen Systems" Komplizen der roten Diktatur, wurde diese Republik "unterwandert"?
Versuchen jene unentdeckten "Schläfer"-Komplizen nicht nur die Amtswalter weiterhin zu päppeln und in Funktion zu halten, sondern wollen auch ihre eigenen "roten" Wertmaßstäbe durchsetzen. Sie trauen sich natürlich nicht, das offen auszusprechen.
Die Reden der Politiker, ihre bisherigen Entscheidungen und ihre "Taten"/ Gesetze liefen nur darauf hinaus.
Die "Welt" schreibt am 15.12.2006:
"Über all dem hat das Land eine Politikverdrossenheit ergriffen, die gewiß nicht dem System, um so mehr aber den Akteuren in ihm gilt..."  -Politiker ohne Volk-
 
Anmerkung:
Einige der Passagen, Erkenntnisse und Fakten habe ich den Rundbriefen 1/2007 und 2/2007 entnommen, welche mir die GEP kostenlos überlassen hat.
Diese "Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V." (GEP) gibt zum Thema jährlich etwa zwei Rundbriefe (Broschüren) heraus, die jeder auch im Internet abrufen kann. Die wichtige Arbeit dieser Gesellschaft kann man durch Beitritt oder Spenden unterstützen. Auch in o.a. Rundbriefen sind unmenschliche DDR-Schicksale aufgeführt...